RU.ARE – RU.ARE (review @ Schwarze-news.de)

RU.ARE - RU.ARE (2010): Synthpop / Futurepop

Rating: 7,5 / 10

So, das ist es also: ein neues digitales Scheibchen aus dem Hause Synthematik. “RU.ARE“, eine neue Formation aus Karelien.

“Karelien? Wo zur Hölle ist das denn?” Ein Blick auf die Karte zeigt uns hier das russisch-finnische Grenzgebiet, derzeit lauschige -20° und ein leichter Wind von 2 Knoten…und weit und breit kaum bewohnt.

Was mag den geneigten Hörer hier wohl aus der Einsamkeit der russischen Weiten erwarten? Eine Band mit Namen „RU.ARE“, die sich aufmachen, gleich mit ihrem Debut den gesamten europäischen Kontinent zu erfreuen.

RU.ARE, das sind Alex Odinstov als vokaler Kopf der Gruppe und Anthony Repnikoff, Tastenjongleur und Programmierer der Ensembles. Beide haben sich lokal in dort bekannten und „populären“ Metalbands verdingt, ehe sie eines schönen Tages auf die Idee kamen, dass es wohl auch noch anderes geben müsse als nur Gitarren, Bass, Schlagzeug und “laut”. Somit beschlossen sie denn, sich fortan auch der sanfteren, aber auch kraftvollen Möglichkeiten der Elektronik, speziell des Synthie-Pop, zu widmen.

Im Hintergrund wäre noch Nick Inushin als Verantwortlicher für Sound, Programmierung, Mastering und Mix zu erwähnen, er gehört aber nicht zum Bühnenpersonal.

Laut Informationsbeilage von Synthematik sollen mich jetzt beim Anhören wohlfeile Synthpop-Songs mit energiegeladenen Rhythmen und üppiges Synthie-Arrangement erwarten. Zusätzlich dazu sanfte Stimmharmonie und leichte Melancholie. Was noch bleibt, ist, das Scheibchen einzuschieben und voller Spannung warten, welche Töne den Boxen entschlüpfen.

Die ersten Töne des Openers „Fontenblo“ erklingeln (im wahrsten Sinne des Wortes) und gehen über in ein sehr eingängiges und sogar Dancefloor-taugliches Arrangement in klassischer „And One“-Manier. Die Stimme des Sängers passt sich sehr gut in das Gesamtbild des Tracks ein, und so ist schon „Fontenblo“ eine Überraschung, erwartet man doch mit der Vorgeschichte der Band etwas völlig anderes.

„Saviour“ erinnert stark an die Götter des Synthpop, Depeche Mode. Auch hier stimmt das Konzept, und man steht den „Großen“ in nichts nach. Ein gelungener Wechsel von kraftvollem und leichtem Zwischenspiel runden auch hier das Bild ab, so dass der Song durchaus unauffällig dem Publikum einer DM-Party untergemogelt werden kann, und keiner merkt’s.

„Halo“ ist auch wieder ein Mix verschiedener Stile bekannterer Acts des synthetischen Pops, wobei durchaus auch Anlehnungen in den „“härteren Bereich“ zu finden sind, was die Effekte betrifft.

Mit „Brilliant Of Night“ findet sich hier wieder ein ruhigeres Stück ganz in guter alter DM- und Mesh-Tradition. Klanglich auch hier wieder sehr abgerundet, garniert mit der einschmeichelnden Stimme  Alex Odinstov’s.

Auch alle weiteren Tracks, von „Wings“ bis „My Lunacy“ passen sich hervorragend in das Gesamtbild. Es fehlt noch ein wenig  die eigene Duftmarke, noch hat man eher das Gefühl einer Reise durch das Schaffen der verschiedenen „Größen“ des Elektropop von Depeche Mode über  Camouflage bis hin zu De/Vision und anderen, deren Einfluss auf die Musiker von „RU.ARE“ unüberhörbar ist.

Fazit
Große Revolutionen für die Zukunft des Synthie Pop sucht der Hörer hier (noch) vergeblich. Auch „üppige Arrangements“ finden sich nicht in dem Masse, wie nach Ankündigung erwartet, was aber auch nicht dramatisch ist, würden sie doch die leicht-locker-fröhliche Melancholie des Albums eher stören als zu ihrer Wirkung beitragen. Alles in allem liegt hier auf dem Tisch (oder besser: im „RU.ARE“-Ordner) ein sowohl konzeptionell wie auch technisch und stimmlich abgerundetes Werk, das man vielleicht nicht unbedingt von einem Debut, noch dazu von Musikern mit völlig anderem Background, erwartet hätte. Hinsichtlich der Entwicklung, die „RU.ARE“ nimmt, sollte man auf jeden Fall gespannt sein, das Potential, uns zukünftig mit dem einen oder anderen Highlight zu überraschen, ist definitiv vorhanden. Für die netten Stunden daheim am Kamin sollte dieses Album keinem Freund der leicht-melancholischen Unterhaltung fehlen.

by Thorrstein Bernhardsson

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